15. Mitgliederversammlung am 21. und 22. Mai 2011 in Karlshuld, Bayern

Gepostet von am 8 Jun 2011 in Artikel | Keine Kommentare

15. Mitgliederversammlung am 21. und 22. Mai 2011 in Karlshuld, Bayern

Herr Helmut BRUNNER, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hatte für die Jahrestagung des Vereins zur Förderung des “Auerochsen” (VFA) e.V. am 21. und 22. Mai 2011 im HAUS im MOOS, Kleinhohenried 108, 86668 Karlshuld, die Schirmherrschaft übernommen und der Veranstaltung einen erfolgreichen Verlauf gewünscht. Am Vorabend zur Jahrestagung fand in Neuburg an der Donau eine konstituierende Sitzung des Gesamtvorstands des VFA zur Vorbereitung der Mitgliederversammlung und Erarbeitung der Beschlussvorlagen statt.

Zur Eröffnung der Jahrestagung richtete Herr Roland WEIGERT, Landrat des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen, sowie 1. Vorsitzender des Stiftungsrates DONAUMOOS und Vorsitzender des DONAUMOOS-Zweckverbandes ein Grußwort an die zahlreich erschienenen und bis aus Schleswig-Holstein und Ungarn nach Bayern angereisten Mitglieder und Gäste. Er hob die Bedeutung der Arbeit des Zweckverbandes DONAUMOOS zur Erhaltung des ursprünglich größten bayerischen Niedermoores hervor und erläuterte die hierfür wichtigsten Maßnahmen, wie Hochwasserschutz für die Siedlungen, nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung und Torfkörperschutz im Verbund mit Arten- und Biotopschutz. Im Hinblick auf den Klimaschutz ist die Mehrung des Grünlandanteils ein  wichtiges Ziel im Entwicklungskonzept für das Donaumoos. Die zu diesem Zweck eingesetzten und ganzjährig in der freien Natur lebenden Wisent- und “Auerochsenherden” waren Ziel der geplanten Exkursionen im Zusammenhang mit der VFA-Tagung.

Im Anschluss begrüßte der 1. Bürgermeister der Gemeinde Karlshuld, Herr Karl SEITLE, 1. Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, die Tagungsteilnehmer und schilderte in einem lebendigen Vortrag die gesunde finanzielle Situation der Gemeinde Karlshuld und deren wichtige Aufgaben bei dem Entwicklungskonzept DONAUMOOS. Er leitete dabei geschickt auf den ausführlichen und hoch interessanten Einführungsvortrag des engagierten “Auerochsenzüchters” und Organisators der 15. Mitgliederversammlung des Vereins zur Förderung des “Auerochsen” (VFA) e.V., Herrn Günther  GRÄFE über.

Aus der vorgesehenen Vorstellung der Weidegemeinschaft Pfaffenfeld, Ehekirchen, die im Donaumoss u. a. “Auerochsen” zur extensiven, ganzjährigen Freilandhaltung und Landschaftspflege einsetzt, wurde ein lehrreicher Vortrag über die Entstehung des Donaumooses und so mancher Tagungsteilnehmer erhielt völlig unerwartet Nachhilfe in Geologie und Geographie:

Am Ende des Tertiärs bog die Ur-Donau von Westen kommend bei Rennertshofen nach Norden ab, in Richtung Dollstein, zum heutigen Altmühltal. Für die Entwicklung des Donaumooses  war die Laufverlegung nach Osten von entscheidender Bedeutung. Vor ca. 100.000 Jahren (Risseiszeit) durchbrach sie den Albvorsprung westlich von Neuburg und bildete am Ende des Engtals einen gewaltigen Schwemmfächer (siehe Abbildung). Dieser schwenkte mit seinen Erosions- und Transportkräften nach Süden aus und verstärkte dadurch die Ausräumung des Donaumoosbeckens. Die zur Donau fließenden Bäche unterstützten die Bildung des Donaumooses. Zur Würmeiszeit (vor 10.000 Jahren) kam es zu Schotterablagerungen, die die Entwässerung in die Donau behinderten. Das Wasser der Donaumoosbäche breitete sich flächig aus. Es entstand ein riesiges Überflutungsgebiet, das allmählich verlandete. Vor ca. 200 Jahren war das gesamte Gebiet noch eine unzugängliche Moorlandschaft, das nur an den Rändern als Weidegebiet genutzt wurde. Ab 1795 wurde das Donaumoos zunehmend entwässert und planmäßig besiedelt. (Quelle: www.fvls.de/projekte/Comenius/donaumoos geographie.htm)

 

 

Der weitere Verlauf der Mitgliederversammlung war geprägt durch den Bericht des Vorsitzenden über das abgelaufene Geschäftsjahr 2010 mit der Entwicklung einer neuen Internetseite im Blog-System durch das Beiratsmitglied Gregor FRISCH, die es den Mitgliedern erlaubt, eigene Artikel  zu verfassen und vor allem auch selbst An- und Verkaufsanzeigen zu schalten sowie Fotogalerien ihres Zuchstandortes zu veröffentlichen. Eine weitere gravierende Maßnahme des Jahres 2010 ist die nach längerer Bearbeitungszeit fertiggestellte neue Zuchtsoftware, die unter der Aufsicht des Zuchtbuchführers Gregor FRISCH von der Mair Pro GmbH, Aschau speziell für die Anforderungen des VFA entwickelt wurde und mit der ein Abgleich sowohl mit HI-Tier als auch mit den in der Vereins-Software gespeicherten Daten bundesweit über das Internet möglich ist.

Nach einem wohlschmeckenden Suppenbuffet fand die Nachmittagsexkursion zur Wisentherde beim HAUS im MOOS unter der fachkundigen Führung von Herrn Dr. Johannes RIEDL stellvertretender Veterinäramtsleiter und Leiter des Sachgebiets Verbraucherschutz des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen, statt. Die beeindruckenden Tiere repräsentieren die zweite – neben dem historischen Auerochsen – in Europa lebende Wildrinderart, die kurz vor der Aurottung mit einigen Exemplaren aus Wild- und Tierparks  am Anfang des vergangenen Jahrhunderts gerettet wurden. Im Gegensatz zum Ur oder Auerochsen wurde der Wisent zu keinem Zeitpunkt domestiziert.

 

 

 

 

 

Nach einer kurzen Kaffeepause wurde durch den Zuchtbuchführer Gregor FRISCH die neue Software OxPro, nachdem diese zuvor einigen Zuchtstandorten zum Test zur Verfügung stand, im Detail vorgeführt und Fragen der Tagungsteilnehmer beantwortet. Die Software erfüllt alle Optionen, die für eine moderne Zuchtbuchführung notwendig und wünschenswert sind. Durch die integrierte Internetanbindung werden alle Daten online an die behördliche Rinderdatenbank HI-Tier gemeldet und abgeglichen. Außerdem werden alle Daten an den Verein übertragen, so dass jederzeit ein aktuelles Zuchtbuch erstellt werden kann. Durch die einzige Ahnendatenbank für “Auerochsen” kann der VFA die Abstammung von Tieren teilweise bis in die Anfänge der Rückzüchtungsbemühungen verfolgen und auch die Nachkommen einzelner Tiere über mehrere Generationen ausweisen. Im Anschluss an die Präsentation wurde die Einführung der neuen Software durch die Mitgliederversammlung unter der Wahlleitung des Herrn Jochen KÄHLER mit überwiegender Mehrheit beschlossen.

Der erlebnisreiche Tag endete bei einem gemeinsamen Abendessen im Biergarten des Sporthotels Rödenhof in Neuburg a. d. Donau und anschließendem gemütlichen Beisammensein.

 

Am Sonntag, den 22. Mai 2011 fand unter der fachkundigen Führung des Herrn Willi RISS, Geschäftsführer des DONAUMOOS-Zweckverbandes und Büroleiter von Landrat Roland WEIGERT, die angekündigte Exkursion ins Donaumoos statt. Die Busfahrt dorthin ermöglichte eine umfassende Erläuterung über die Entstehung und die heutige Situation des Donaumooses. Viele Teilnehmer hörten zum ersten mal etwas über die “Moorsackung”, ein Phänomen, das an einem 200 Jahre alten Eichenpfahl abzulesen war. Durch menschliche Eingriffe  und landwirtschaftliche Nutzung (Ackerbau und Gemüseanbau), insbesondere aber durch die Entwässerung der Moorflächen und die damit verbundene Absenkung des Grundwasserspiegels wurden Prozesse von Setzung, Schrumpfung, Torfauflösung (Torfverzehr) und Erosion ausgelöst die unter dem Begriff “Moorsackung” zusammengefasst werden. Im Donaumoos beträgt die Moorsackung jährlich ca. 2 cm, diese Entwicklung ist an dem Eichenpfahl beeindruckend abzulesen. Durch Weidenutzung lassen sich die Prozesse der Moorsackung verlangsamen, Winderosion wird gehemmt und Treibhausgase (CO2) werden im Boden gespeichert, was dem Klimaschutz zugute kommt. Dieser Prozess führt zu der Bestrebung, im Donaumoos Ackerbauflächen in Weideland umzuwandeln, das möglichst durch eine ganzjährige Freilandhaltung von Rindern genutzt werden soll.

 

 

 

 

Nach dieser lehrreichen Busfahrt erreichten die Exkursionsteilnehmer das Beweidungsprojekt der Weidegemeinschaft Pfaffenfeld mit den beiden “Auerochsen-Herden” des Herrn Günther GRÄFE. Vom Damm eines neu entstandenen Wasserrückhaltebeckens konnten die Tiere, wie auch die positiven Auswirkungen der Beweidung und einer Bachrenaturierung gut beobachtet werden. Nach der Rückkehr zum Sporthotel Rödenhof in Neuburg a. d. Donau endete die Tagung mit einer herzhaften Brotzeit.

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